Herkunft und Bedeutung

Die Tradition des Maibaums

Man könnte den Maibaum für Dekoration halten, für einen bemalten Stamm mit Bändern. Wer ihn so sieht, hat den Brauch nicht verstanden.

Ein Maibaum ist Arbeit, Streit, Bewirtung und Stolz, in einem Stück Holz zusammengefasst. Wer verstehen will, warum ganze Nachbarschaften ihre Nächte im April auf Campingstühlen verbringen, muss ein paar Jahrhunderte zurückgehen.

Woher der Maibaum kommt

Wo der Brauch seinen Anfang nahm, ist ungeklärt. Gern wird er auf vorchristliche Frühlingsriten zurückgeführt, eine durchgehende Linie von dort zum heutigen Maibaum lässt sich aber nicht belegen. Greifbar wird der Baum erst in den Quellen: Bezeugt ist er seit dem 13. Jahrhundert, für Bayern liegen Belege aus dem 16. Jahrhundert vor. Im 17. Jahrhundert wurde das Maibaumsetzen in Bayern verboten, 1827 ließ König Ludwig I. es wieder zu. Zum Zeichen eines ganzen Ortes, wie man ihn heute kennt, wurde der Maibaum vor allem im 19. Jahrhundert. Was sich seither ändert, sind die Handwerke auf den Tafeln.

Was der Maibaum bedeutet

Die Bedeutung liegt weniger im Baum als in denen, die ihn aufrichten. Zunftzeichen, Figuren und Tafeln zeigen die Gewerbe und Vereine eines Ortes, und wer sie liest, liest die Gemeinschaft. Dazu kommt ein leiser Wettstreit: wer den höheren Baum hat, wer den schöneren, wer den, über den man noch im Herbst redet. Mehr dazu auf der Seite zur Bedeutung des Maibaums.

Wie ein Maibaum aussieht

Meist eine hohe Fichte oder Tanne, entastet und geschält, der Stamm häufig in einer weiß-blauen Spirale gefasst, den Farben des Landes. Oben bleibt ein grüner Wipfel oder es sitzt ein Kranz. Typisch sind Höhen um die dreißig Meter, einzelne Rekordbäume messen über fünfzig. Alles Übrige entsteht über Wochen mit der Hand, und kein Baum gleicht dem anderen. Wie er geschmückt wird, ist eine Kunst für sich.

Ein Maibaum ist kein Denkmal, das man einmal setzt und dann vergisst. Er wird gefällt, geschmückt, bewacht, gestohlen, ausgelöst und irgendwann ersetzt. Der Brauch lebt in diesen Handlungen, nicht im Holz.

Wie lange ein Maibaum steht

Das halten die Orte verschieden. Mancher Baum verschwindet Ende Mai, viele bleiben ein Jahr oder länger, bis ein neuer sie ablöst. Andernorts geschieht das nur alle paar Jahre. Der Baum am Viktualienmarkt wird in mehrjährigen Abständen erneuert.

Der Maibaum in München

Am Viktualienmarkt ist er längst Wahrzeichen, und in den Vierteln, die einen haben, gehört er so fest zum Frühjahr wie das erste Radler in der Sonne. Der Verein Chinesischer Turm e.V. hält diese Tradition unter dem Namen Maibaum München sichtbar. Weitere Hintergründe zum Brauch bietet das Schwesterprojekt Brauchtum München.

Quellen

  1. Wikipedia: Maibaum.
  2. München Wiki: Maibaum (muenchenwiki.de).
  3. MeinBezirk Salzburg, 29.04.2026, Gespräch mit Michael Greger, Salzburger Landesinstitut für Volkskunde: Der Maibaum-Irrtum: Kein Fruchtbarkeitssymbol, sondern Verbotsschild.

Abgerufen am 08.10.2026. Die Liste nennt die Belege für die Angaben dieser Seite; maßgeblich bleiben die Auskünfte der genannten Stellen.